Hypochonder

Hypochonder zum Quadrat

Nach unserem Ausflug ins All geht es heute wieder um ein zutiefst irdisches Problem.

In einer speziellen Beziehung – aber natürlich nicht nur in dieser – ist das Leben für mich und die Tussi in mir ein schwieriges Unterfangen. Und erst recht das unserer Mitmenschen im Umgang mit uns. Gemeinsam sind wir nämlich so etwas wie ein Hypochonder zum Quadrat, wenn es um Sauberkeit und Hygiene geht. Überall nämlich wimmelt es von Bakterien, Viren und anderen Scheusslichkeiten. Wohin man tritt, was immer man angreift oder berührt ist mit Milliarden und Abermilliarden von Keimen kontaminiert – es ist wirklich zum Davonlaufen. Ein paar abstossende Beispiele gefällig?

Haltestangen in öffentlichen Verkehrsmitteln sind schon der pure Horror. Aber noch schlimmer in puncto Verschmutzungsgrad sind die Griffe der Einkaufswagen in den Supermärkten. Oder hast Du schon einmal jemanden beim Putzen dieser Dinger gesehen? Eben – da klebt alles daran was Du lieber nicht wissen willst und das seit Jahren. Da helfen nur Einweghandschuhe, um das Grausliche von Dir fern zu halten.

Wenn sich der hustende Taxifahrer genüsslich zuerst den Finger abschleckt, bevor er die Quittung vom Block reisst und mir in die Hand drückt, bekomme ich eine ernsthafte Krise. Wo verdammt finde ich jetzt das nächste saubere (!) Bad oder WC zum Händewaschen? Oder wenigstens einen Springbrunnen?

Du kommst heim oder ins Büro oder zu Babsi auf Besuch, drückst gedankenverloren den Knopf für den Aufzug oder die Klingel und schon steckt Dein Finger unvermutet in einer klebrigen Masse aus speicheltriefendem Kaugummi. Was nun? Brüllen vor Wut oder sich vor Ekel übergeben oder beides gleichzeitig?

Doch die Tussi hat gewisse Taktiken und Strategien entwickelt, um selbst unter diesen unwirtlichen und lebensfeindlichen Bedingungen langfristig in Würde zu Überleben.

Händewaschen bei jeder sich bietenden Gelegenheit versteht sich von selbst. Inzwischen bin ich aber auch ein Profi im Öffnen und Schliessen von Türen sowie dem Abdrehen von Wasserhähnen mit dem Ellbogen oder anderen Körperteilen, nur nicht mit der Hand. Eine gewisse artistische Perfektion diesbezüglich ist mir nicht abzusprechen. So kann man sich in vielen Restaurants die Hände zwar schon berührungslos waschen und trocknen – nur was bitte nützt das, wenn dann die Ausgangstür altmodisch per Klinke zu bedienen ist, die gerade jemand ohne vorheriges Händewaschen angefasst hat?

Zudem habe ich (vor allem auf Reisen) immer ausreichend feuchte Reinigungstücher dabei. Zur Not tun es übrigens auch Brillenputztücher, um sich die Hände zwischendurch abzuwischen, zum Beispiel weil man wieder eklige Münzen aus dem verdreckten Fahrkartenautomat angeln musste.

Dass ich auf jeder Toilette, die sich auch nur einen Zentimeter ausserhalb der eigenen Wohnung befindet, den Sitz vor Benutzung zuerst zentimeterdick mit Klopapier isoliere, muss ich wohl nicht erst extra erwähnen.

Nur diesen Vorsichtsmassnahmen habe ich es zu verdanken, dass mich – und die Tussi in mir – nicht schon längst eine exotische tödliche Seuche hinweggerafft hat.

Also immer schön die Hände mit Seife waschen und aufpassen, was oder wen Ihr angreift oder worauf Ihr Euch setzt.

Bis zum nächsten Mal
Euer Tussi M.

(c) Mike Denoth

Hypochonder
Foto Credit: Pixabay (Lizenz: Creative Commons CC0 Public Domain)

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5 Gedanken zu “Hypochonder zum Quadrat

  1. Da habe ich einen maßgeschneiderten Buchtip für Dich, in dem die männliche Hauptfigur eine sehr ausgeprägte Schmutz- und Bakterienphobie hat:
    „Der gute Dieb“ von Matthew Dicks
    Ich zitiere mal den Anfang meiner Buchbesprechung und verlinke auf den Rest:

    So einen Dieb kann man sich nur wünschen!
    Martin geht mit Einkaufszettel auf Diebestour, und da stehen meist keine großartigen Wertsachen drauf, sondern viele Dinge des täglichen Bedarfs wie Salatsoße, Käse, Butter, Obst, Gemüse, Konserven, Waschpulver, Zahncreme, Druckerpapier, Briefmarken, Nudeln, eine Flasche Wein etc.
    Martin hat langjährige „Kunden“, deren Häuser, Lebensläufe und Gewohnheiten er mit millimeterpapierener Präzision auskundschaftet, er arbeitet überaus methodisch und hinterläßt nie Spuren, denn er ist ein Hygienefanatiker und arbeitet mit OP-Handschuhen, Haarnetz und Plastiküberschuhen…
    https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/02/25/der-gute-dieb/

    Verständnisvolle Grüße 😉
    Ulrike von Leselebenszeichen

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    1. Jetzt musste ich zuerst Sagrotan googeln um festzustellen, dass es sich um so etwas ähnliches wie Purell handelt, wovon wir selbstverständlich immer ein kleines Fläschchen dabeihaben. Doch für den von Dir angesprochenen Zweck müsste man aufgrund der horrenden Zustände auf diversen Loci ein 10 Liter Fass mitschleppen … 🙂

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        1. Nicht nur die Schuhe, auch die Hose kann man dann wegwerfen … das ergibt eine komplette Sauerei und ist einfach nur entwürdigend – daher lieber mit Papier auspolstern, niedersetzen und anschliessend trocken aber mit Grandezza wieder aufstehen !

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