Airport

Leiden eines Vielfliegers

Nach dem Ausflug in modische Gefilde letzte Woche, widme ich mich heute wieder einmal den Dumfpfbacken auf Reisen. Ein diesbezügliches Prachtexemplar habe ich Euch ja hier schon vorgestellt. Beruflich sitze ich derzeit sehr oft im Flugzeug und selbst wenn zur Abwechslung mal nicht am Boden oder in der Luft gestreikt wird (ein nervtötendes deutsches Dauerärgernis – wem die Bezahlung nicht passt, hat schliesslich die Freiheit, sich jederzeit einen neuen Job zu suchen, aber das hier nur so nebenbei) gibt es noch genügend andere Widrigkeiten, die einem das Vergnügen daran mindern.

Der Ärger fängt bei der Sicherheitskontrolle an. Von unmotiviertem, inkompetentem Personal wird man angeschnauzt und begrapscht. Bei Frauen ist der Griff an den Busen fast schon obligatorisch. Schliesslich könnten die scharfen Konturen jederzeit detonieren. Bei gewissen künstlichen Füllmaterialien kann dies in dünner Luft angeblich vorkommen, aber dass dadurch jemals ein Jumbo vom Himmel gefallen wäre, ist mir nicht bekannt. Einmal wird man zur Schnecke gemacht, weil man das iPad nicht aufs Band legt und beim nächsten Mal, weil man genau das getan hat. Erlebt am Stuttgarter Flughafen, dem absoluten Nullpunkt an Unfreundlichkeit, Langsamkeit und Missorganisation. Dort muss ich sogar meine Papiertaschentücher – hat man als Tussi und Hypochonder natürlich immer in rauen Mengen dabei – aus der Hosentasche nehmen und durch das Röntgengerät lassen. Ich könnte ja ein Maschinengewehr darin eingewickelt haben.

Eine weitere Hürde ist das Boarding. Obwohl ausdrücklich zuerst nur Business Class Passagiere, honorige und sonstige elitäre Zirkel, sowie Besitzer von goldenen und noch edleren Karten an Bord gebeten werden – die Tussi ist in diesen erlauchten Kreis leider noch nicht vorgedrungen – drängen sich bereits ganze Horden von Möchtegernsenatoren an mir vorbei. Mit dem Resultat, dass das Gepäcksfach über meinem Sitz bereits vollgestopft war, bis ich braver Idiot endlich an meinem Platz angelangt bin. Doch damit ist es definitiv vorbei, denn inzwischen lasse ich mich nicht mehr auf diese Weise verarschen, sondern schwindle mich stets als einer der Ersten mit den privilegierteren Mitreisenden ins Flugzeug. Sorry, aber das ist reine Notwehr, erzwungen durch die Rücksichtslosigkeit des fliegerischen Pöbels.

Der Höhepunkt des Wahnsinns spielt sich nach der Landung ab. Quasi in der Sekunde nachdem der Flieger wieder Bodenkontakt hat, reissen sich achtzig Prozent der Passagiere den Sicherheitsgurt vom Leib, springen wie von der schwarzen Mamba gebissen auf, reissen das Gepäck aus den Ablagen als ob Feuer oder zumindest die Pest ausgebrochen wäre … und stehen und stauen sich anschliessend im Mittelgang. Wohlgemerkt, das Flugzeug rollt noch immer und die Anschnallzeichen sind auch noch nicht erloschen. Die bedauernswerten Stewardessen haben dann – nachdem der Flieger endlich zum Stillstand gekommen ist – natürlich grösste Mühe, die Notrutschen zu entsichern und die Türen zu öffnen. Das verzögert das Aussteigen noch mehr, aber Hauptsache, diese Idioten stehen schon, damit man ihre (Un-)Wichtigkeit und Präpotenz ausführlich bewundern kann. Am Besten ist, wenn sie bei einer Aussenparkposition im Bus warten müssen, bis ich mich auch endlich dazu bequemt habe, das Flugzeug zu verlassen. Quasi instantane Rache.

Aber Fliegen tu ich trotzdem noch immer sehr gerne 🙂

Bis zum nächsten Mal
Euer Tussi M.

(c) Mike Denoth

Airport
Foto Credit: Pixabay (Lizenz: Creative Commons CC0 Public Domain)

Advertisements

2 Gedanken zu “Leiden eines Vielfliegers

  1. Ich fliege zwar nicht häufig, aber wenn, dann frage ich mich auch grundsätzlich, was in den Leuten vorgeht. Hauptsache zu erst einsteigen, obwohl man in Reihe 5 sitzt und das gesamte Boarding unnötig aufhält (und dann auch noch meckern, wenn der Flug nicht pünktlich startet oder das Personal freundlich darauf hinweist, dass zu erst Boarding Group C und D an der Reihe sind…). Das panische Aufspringen nach der Landung ist auch so ein Phänomen. Anstatt 5 Minuten sitzen zu bleiben, stehen die Menschen lieber 5 Minuten eng aneinander gequetscht in der Schlange auf einem 1-Meter breiten Gang. Naja, man muss es nicht verstehen 😀

    Gefällt 1 Person

  2. Oh Gott ja, das steht mir morgen auch wieder bevor… mir grausts jetzt schon. Ich konnte mich beim letzten Mal nur sehr schwer beherrschen, der Dame, die mir von hinten ihre Käsefüße durch den Spalt zwischen meinem Sitz und der Außenwand des Flugzeugs entgegenstreckte, nicht den Kopf abzureißen. Auch schön: sich abrupt zurücklehnen, wenn andere Leute heiße Flüssigkeiten auf ihrem Tablett stehen haben, ausladend über drei Sitze Zeitung lesen (wie, Sie wollen auch was von Ihrem Buch sehen?) oder von hinten mit den Füßen gegen den Sitz treten, weil man der Meinung ist, man hätte nicht genug Platz. Im Flugzeug tun sich wahre Abgründe menschlichen Verhaltens auf…

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s